Der Diener zweier Herren
Inhalt
Der Kaufmann Pantalone de Bisognosi hat die Hand seiner Tochter Clarice eigentlich Federigo Rasponi, einem jungen Geschäftsmann aus Turin, versprochen. Doch als man in Venedig erfährt, dass dieser im Duell mit Florindo Aretusi, dem Geliebten seiner Schwester Beatrice, umgekommen sei, stimmt Pantalone der lang ersehnten Verlobung zwischen Silvio, dem Sohn von Dottore Lombardi, und Clarice zu.
Das Glück der beiden ist jedoch nur von kurzer Dauer. Denn auf der Verlobungsfeier taucht plötzlich der todgeglaubte Federigo Rasponi wieder auf und fordert sein Recht…
Besetzung
- Truffaldino Batoccio, der Diener – Valentin Baumeister
- Smeraldina, Dienerin der Clarice – Claudia Ottinger
- Federigo / Beatrice Rasponi – Stephanie Bilz
- Florindo Aretusi, Geliebter der Beatrice – Stephan Ledderose
- Dottore Lombardi, Vater des Silvio – Fabian Kunz
- Pantalone de Bisognosi, Vater der Clarice – Patrick Ledderose
- Silvio Lombardi, der Verlobte der Clarice – Jakob Frech
- Clarice de Bisognosi, die Verlobte des Silvio – Lena Hoffmann
- Brighella, Wirt – Benedikt Bucke
- 1. Kellner des Brighella – Julian Schuster
- 2. Kellner des Brighella – Christoph Römer
- Und viele Weitere noch…
Gallerie
Ausgewählte Fotographien des Stückes finden Sie hier.
Regiearbeit
Der Vorhang hebt sich …
Das sagt sich so leicht. Oft klingt es magisch oder mystisch. Nun, aber in Wirklichkeit ist das „Heben des Vorhangs” ein ziemlich aufwändiger, arbeitsreicher Vorgang und hat nur wenig damit zu tun, ein Stück Stoff auf die Seite zu schieben. Bis sich der Vorhang hebt, geschehen viele kleine und große Dinge, und manche davon muten tatsächlich immer wieder wie ein kleines Wunder an.
Wie genau sich so ein Vorhang hebt, das versuche ich im Folgenden ein wenig näher zu beleuchten. Es beginnt per se damit, dass sich der Vorhang im Vorjahr zunächst einmal schließt. Zum letzten Mal – d.h., damit er sich überhaupt wieder öffnen kann, muss ein neues Stück ausgewählt werden.
Lange geschieht nichts. Der schwere Stoff bleibt geschlossen, ja nicht einmal ein Lufthauch bewegt ihn. Wir lesen Stücke, verwerfen viele, unsere Auswahl wird enger, wir diskutieren, denn, WENN sich der Vorhang hebt, will man schließlich überzeugen. Alle … nun ja, zumindest viele …
Lange geschieht nichts. Oh, doch da, ganz sachte bewegen sich die behäbigen Falten. Das Stück ist gewählt! Es wird der „Diener zweier Herren”. Schon oft haben sich Vorhänge vor diesem Stück geöffnet und geschlossen … werden wir es auch schaffen?
Nun, da wir wissen, vor was wir unseren persönlichen Vorhang lüften wollen, beginnen die Proben, die Bühnenarbeiter werden aktiv, Text wird gelesen, erst stockend, dann flüssiger, schließlich betont und gespielt. Kostüme werden diskutiert, zusammengestellt, bestellt, verworfen und neu kreiert. Der Vorhang wellt und beult sich, doch gehoben werden kann er noch lange nicht.
Gewichte in Form von persönlichen Verpflichtungen, Geldverdienen und den allgegenwärtigen Haus- und Schulaufgaben beschweren unseren Vorhang. Wir müssen mit vereinten Kräften alle diese Gewichte abschütteln. Hinter dem Vorhang brodelt es heftig.
Die Maske wird eingerichtet. Stunts wird der letzte Schliff verpasst. Die Bühne glänzt, verdeckt von unserem Vorhang, der nun endlich hängt. Die Scheinwerfer und die Technik werden in Position gebracht. Ab und zu kann man etwas hindurch blitzen sehen … man ahnt, wie es sein wird, wenn er sich schließlich lüftet.
Und dann ist es so weit. Nach einem Jahr, hebt sich der Vorhang, und wir sind alle sprachlos was er verhüllte … Waren das wir? Haben wir es tatsächlich wieder einmal geschafft? Jedesmal sind wir ein wenig sprachlos, WIE sehr sich für uns die Mühe gelohnt hat. Wie sich der Vorhang hob, vor etwas, mit dem wir trotzdem niemals rechnen:
EINEM ECHTEN THEATERSTÜCK.
Und genau das ist, was ich jedesmal wieder faszinierend finde. Da hört man sich den Text tausendmal an, studiert Handbewegungen und Gesten ein, weiß hundertprozentig wo jeder steht, und wenn sich der Vorhang am Schluss hebt, stehe ich staunend vor dem, was meine Schauspieler, die Technik und die Bühne da gezaubert haben. Vielleicht ist es doch ein magischer Vorhang …
(Ruth Bitai, Januar 2009)
Bühnenbau
Als Bühnenbauer ist es wohl meine heilige Pflicht, mich über die Bühne, deren Aussehen und Auftreten dieses Jahr in tiefes Schweigen zu hüllen. Denn sonst ist der eine Moment, wo dieser “magische” Vorhang, der unser aller Werk gut versteckt hält, in höchster Gefahr.
Allerdings ist der ganze Artikel dann hier umsonst. Daher werde ich ein paar winzige Kleinigkeiten preisgeben, mit denen soviel gesagt sei:
Ohne zu prahlen, wir werden uns mal wieder selbst übertreffen. Wir werden mal wieder die Bühne des letzten Jahres toppen. Kurz: es wird Großartig. Wir haben alle Register gezogen und keine Hürden und Grenzen gescheut um diese Bühne einzigartig werden zu lassen. Es ist das erste Mal, dass es mechanische Elemente im Bühnenbild geben wird, wir haben Bewegung und Dynamik in die bisher stillen Bilder gebracht und ihnen sozusagen das Laufen gelernt. Alles wird sich Bewegen können, alles wird sich Bewegen. Es wird eine große Palette an Effekten geben, von Licht über Ton zu Video, wird alles seinen Platz finden in der Bühne des Dieners zweier Herren.
Es ist jetzt 20 Tage vor der Premiere. Wir sind noch weit entfernt davon, fertig zu sein mit der Bühne, und standartgemäß macht sich langsam Panik breit. Panik die wohl noch bis zu letzten Aufführung anhält.
Wer den Regieartikel gelesen hat, weiß wie es Ruth Bitai geht, während den Aufführungen. Als Regisseurin, die sie das Stück besser kennt als jeder andere, ist sie trotz allem noch jede einzelne Aufführung gespannt, was die Schauspieler da gerade wieder auf der Bühne anstellen.
Man sollte meinen als Bühnenbildner wäre das Ganze wesentlich entspannter. -Ist es aber nicht. Man sitzt genauso aufgeregt wie die Regie auf seinem Stuhl irgendwo im Publikum und hofft, betet und bittet, dass alles so funktioniert wie man sich das ausgemalt hat aller Rationalität zum trotz denn eigentlich weiß man, dass es klappt, hat es ja bei den Proben schon.
Was steckt hinter diesem Aufgeregt sein? Vermutlich ist es die Detailvertrautheit. Man weiß einfach zu genau womit man sich die letzten Wochen, Monate beschäftigt hat, kennt die Schwachstellen, und Widernisse die sich einem in den Weg gestellt haben, die man überwunden hat, und weiß wo mögliche Probleme liegen könnten. Man ist einfach zu Vertraut mit seinem Werk.
Jetzt wird man sich wohl fragen: Was ist denn da so kompliziert an den Bühnenbildern? Was kann denn da schiefgehen? – Seien Sie gewiss, gerade dieses Jahr kann eine Megne passieren. Wird aber nicht, das weiß ich nämlich; aber sagen Sie mir das Mal während eine Aufführung…
(Frank Pühler, März 2009)
Presse
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